

in der Wiener Uraufführung 1880.
Inhalt
Ort: San Sebastian im Jahr 1796 während der französisch/englischen Kriegshandlungen um die Vorherrschaft in Spanien.
Petrita, die Schwester eines spanischen Gastwirtes, ist in den Gefangenen Gaston Dufaure, Capitän im französischen republikanischen Heer verliebt, der sich als Offizier frei immerhalb der Stadt bewegen darf. Don Pomponio, der Alcalde von San Sebastian, der mit den englischen Besatzungstruppen unter dem Kommando von Sir Andrew Douglas, kollaboriert, ist hinter Petrita her und will deshalb Gaston als Kriegsgefangenen in sein Haus holen, um ihn bei ihr auszuschalten. Seine Frau Olympia, eine ehemalige Tänzerin, hat ein Auge auf Gaston geworfen. Gaston hat schon einige Freundschaften mit Spaniern geschlossen, die genau wie er die Engländer vertreiben wollen. Einer seiner Freunde ist Riego, der Evangelista (oder öffentliche Schreiber) des Ortes.
Petrita ist sehr eifersüchtig. Als sie bemerkt, dass Riego Gaston einen Brief zusteckt, vermutet sie sofort eine Frau dahinter. Da sie mit Gaston darüber in Streit gerät, können Pomponia und Olympia nicht ihren jeweils Auserwählten ihre Zuneigung gestehen, zumal ja auch noch der eigene Ehepartner anwesend ist. Riego muss daher sowohl für Don Pomponio als auch für Olympia Liebesbriefe an Petrita bzw. Gaston verfassen. Riego überredet später Gaston, auf das Liebeswerben Olympias zum Schein einzugehen, um die geplanten Anschläge der Engländer in Erfahrung zu bringen, da Olympia in ihrem Damenkränzchen Pläne gegen die Franzosen ausheckt.
Gastons jüngerer Bruder René hat sich als Eseltreiber verkleidet durch die Wachen zum seinem Bruder durchgeschlagen, wobei leider sein Esel statt ihm erschossen wurde. Er erzählt, dass er, nachdem er sich im Scherz in Frauenkleidern als Donna Juanita verkleidet seinem Vorgesetzten ein Rendezvous gegeben hatte, zu Strafe auferlegt bekommen habe, als Spion in Spanien zu agieren. Petrita hat das Wiedersehen der beiden Brüder beobachtet. Allerdings hat sie René dabei nur von hinten gesehen und aufgrund dessen schlankem Körperbau sogleich gemutmaßt, dass es sich um eine Frau in Männerkleidung handelt. Sie bekommt auch mit, wo Riego und Gaston den nunmehr Gesuchten verstecken.
Pomonio erscheint mit der Wache, um den eingedrungenen Spion zu suchen. Petrita verrät in ihrer eifersüchtigen Wut das Versteck. René wird aufgebracht und Pomponio will ihn sofort aufhängen lassen. Von Reue gepackt erklärt Petrita, sie hätten doch keinen Spion gefangen, es wäre doch ein Weib. In der Tat halten nun die Häscher, unter ihnen auch der halbblinde Sir Douglas, René aufgrund seiner kleinen, zarten Statur, seiner Bartlosigkeit und Schönheit für eine Frau. Auf Anregung Riegos, der ihm noch eine Depesche als Legitima tion zusteckt, geht René sofort darauf ein. Er macht seinen Feinden weis, dass er verkleidet aus Madrid komme und von dort wichtige Nachrichten mitgebracht habe und obwohl von Adel würde er sich nur Juanita nennen. Sogleich umgarnt er auch Sir Douglas und Pomponio, die sofort hingerissen von „ihr“ sind. Pomponio, dem er ein Papier zu seiner Beglaubigung, überreicht, lädt ihn spontan als Gast in sein Haus ein. Dreist erbittet er sich dazu ein Kleid mit Schleppe sowie Champagner, Kaffe, Tee und zum Abend ein Souper. Pomponio lässt René mit Vivat und Pomp zu seinem Haus geleiten; auch Sir Douglas schließt sich an, da er nich weit von der Donna Juanita sein will. Die Zurückgebliebenen stimmen darauf ein aufrührerisches Revolutionslied an.
Vor dem Haus des Alcalden singen Studenten ein Ständchen für Donna Juanita. Bestellt hat es der englische Gouverneur. Als Don Pomponio davon erfuhr, bestellt er ebenfalls eins und so singen die Studenten das Ständchen zwei Mal. Beide Auftraggeber schleichen sich unbemerkt voreinander heran, um Juanita beim Aufstehen zu beobachten. Riego, der Wache hält, um zu verhindern, das der als Donna Juanita verkleidete René nicht wieder tolle Streiche ausbrütet, amüsiert sich über die beiden alten Narren.
Und doch kann Riego weitere Streiche von René nicht verhindern. Er spielt sogar mit, als die Donna Juanita ihren beiden Verehrer eine unglaubliche Geschichte über die Herkunft „ihrer“ Eltern, ihrer Geburt und weitere kuriose Entwicklungsstufen „ihres“ Lebens auftischt, was die beiden verliebten Esel tatsächlich glauben.
Olympia stellt Donna Juanita ihrem Damen-Verschwörungskränzchen vor, bei dem auch Sir Douglas und Pomponia anwesend sind. René führt bei dieser Gelegenheit das allgemeine Küssen bei Begrüßungen ein, das angeblich in Madrid derzeit hoch in Mode ist. Pomponio schlägt vor, dass Donna Juanita den Vorsitz übernehmen soll, da sie ja aus Madrid gesandt ist. René erteilt Pomponio als erstem das Wort und der berichtet sogleich von einer Depesche, nach der die 50 Mann starke Vorhut einer englischen Truppe, die Beistand bringen soll, als fromme Pilger verkleidet hier heute abend einziehen sollen. Ihre Losung laute: „Die Wallfahrt von Biscaya“. René ersinnt darauf eine Kriegslist: beim morgigen Kinderfest, auch Jamakeifest genannt, sollen vom Volk unbemerkt die englischen Soldaten am Pampelunator eingelassen werden. Alle geloben sich Treue zu ihrem Bund und absolute Verschwiegenheit; René jedoch gibt den Plan an Riego weiter, der dadurch Gegenmaßnahmen ergreifen kann.
Gaston muss wieder mal die eifersüchtige Petrita beschwichtigen. Er bitte sie, seinen Liebesschwüren zu glauben und noch einen Tag Geduld zu haben, an dem er ihr dann alles, was er bisher geheimhalten muss, erklären kann. René/Juanita stört die zwei und erlaubt sich den Spaß, Petrita zu erklären, er sei Gastons Ehefrau und hätte zusammen mit ihm drei Kinder. Es kommt natürlich zum Streit bis René Petrita aufklärt und es herrscht wieder eitel Sonnenschein.
Am Abend gibt der Alcalde eine Soirée mit Gesang und Tanz. Bald schon treffen die von beiden Verschwörer-Parteien, den spanischen Revolutionären und den Kollaborateuren erwarteten angeblichen Pilger ein. Aber statt der von Olympias Damenkränzchen geplanten englischen Soldaten sind es nun französische, unter ihnen auch Riego und Gil Polo. Den herzlichen Empfang quittieren die „Pilger“ mit dem Imitieren der Glocke, die sie im Kloster zum Schmaus ruft. Sie werden zu Tisch gebeten, Wein wird ausgeschenkt und ein Trinklied angestimmt. Mit dem anschließenden rasantem Zapadeo, einer Art spanischem Cancan mit Kastagnetten- und Tambourinbegleitung, geht der Abend (und der 2. Akt) zu Ende.
Am nächsten Morgen feiern die „Revoluzzer“ sich selbst. Sie erinnern an ihren gelungenen Coup, wie sie mit ihrem Pilgerchor auch die Damen beeindruckt haben und sogar Riegos Predigt habe der Sache nicht geschadet. Derweil singen Petrita und Gaston ein Loblied auf spanische Lieder, die auch ohne Worte auskommen können und Gaston zu seinem höchsten Glück, der Liebe zu Petrita verhalfen.
Kurz darauf beginnt das Jamaikafest, bei dem Erwachsene Kinder und die Kinder Erwachsene spielen sollen. René, noch in der Rolle als Donna Juanita, verführt, als Baby verkleidet, Pomponio im Kostüm eines Hanswurstes zu einem Fang-Mich-Spiel, um ihn von den nachfolgenden Ereignissen abzulenken. Während dieses Festes, an dem sich auch die englischen Besatzer beteiligen, ziehen die Franzosen, ermöglicht durch die bereits eingelassenen falschen Pilger, in die Stadt ein und überwältigen die Besatzer. René wird zum Leutnant ernannt, Gaston und Petrita hatten sich zuvor wieder versöhnt.
Kritik am Textbuch
Dem Textbuch wird in erster Linie angekreidet, dass es geradezu eine Kopie von Fatinitza darstelle. Gewiss - wieder haben wir eine Frau, eine Sängerin, die einen Mann darstellt, der eine Frau darstellt. Ein ganz entscheidender Unterschied ist aber, dass René als verkleideter Mann für eine Frau gehalten wird und in dieser Männerrolle dann weibliche Eigenheiten imitiert. Wir haben zwar auch wieder kriegerische Handlungen, diesmal zwischen den revolutionären Franzosen und den reaktionären Engländern, und zwar in Spanien. Aber man könnte statt von einer Kopie auch von einer Variation sprechen.Denn in Fatinitza ist eben jene Frauen-/Männerrolle die Hauptperson und der Reporter ist der Helfer in allen schwierigen Lagen. In Donna Juanita ist der/diese zwar der/die Titelheldin, aber eigentlich schlüpft er/sie eher in die Rolle des Helfers, während die Hauptpersonen - ja, das ist dann eigentlich der zweite Vorwurf, denn es ist nicht ganz eindeutig, wer die Hauptpersonen wirklich sind. Denn Gaston und Petrita als Liebespaar haben eigentlich doch eher nur Nebenrollen. Gerügt wird also, wohl zu recht, dass keine starke Haupthandlung mehr vorhanden ist und Nebenhandlungen sich gelegentlich verselbständigen.
Musik
Die musikalische Qualität der Donna Juanita beurteilen zu wollen, ist ein schwieriges Unterfangen, da heutzutage so gut wie nichts mehr von ihr gespielt wird. Es gibt auf verschiedenen CDs eine Ouvertüre und einen Juanita Marsch, beide sind aber keine besonderen Meisterleistungen.
So sind wir denn zunächst einmal auf Aussagen anderer angewiesen. Die minutiöse Aufzählung der einzelnen Nummern in der Suppé-Biographie von H.D. Roser enthält keinerlei Wertungen und obwohl in der Werksbeschreibung vorwiegend negative Kritiken zitiert werden, fielen die Beurteilungen der zeitgenössischen Wiener Presse überwiegend positiv aus. Der Suppé Biograph aus der ehemaligen DDR, Otto Schneidereit, schreibt einerseits: „Suppé gelang eine ausgezeichnete Musik...” , bemängelt aber andererseits: ”...hinter der großen Gebärde steht nichts Gleichwertiges an melodischem Einfall und handlungsgemäßer Grundlage.“
Von einer Aufführung der Donna Juanita des St. Petersburger Musical Comedy Theaters vom 24.11.2006 gibt es eine Amateur-Videoaufnahme mit miserabler Bild- und Tonqualität. Eine Rundfunkproduktion des russischen Rundfunks aus dem Jahre 1968 mit guter Tonqualität ergänzt die Möglichkeiten einer Beurteilung. Vergleiche mit dem Original-Klavierauszug ergeben aber, dass beiden Produktionen eine bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Bearbeitung zugrunde liegt. Dennoch lassen sich die übrig gebliebenen Musiktitel daraus gut bewerten. Für die nicht verwendeten Titel bleibt dafür nur der computergestützt hörbar gemachte Klavierauszug. Als Fazit aus diesen drei Quellen ergibt sich folgendes (Klang)-Bild:
Die Operette enthält eine ganze Reihe schöner und origineller musikalischer Einfälle. Überzeugend sind, wie auch schon einige Kritiken betonten, die beiden großen Finale I und II mit einem zündenden Revolutionslied im ersten und einem großen Tamborinspektakel im zweiten Finale. Es gibt außerdem einen mitreißenden Bolero schon in der Introduktion, ein spanisch akzentuiertes Trinklied, eine temperamentvolle Serenade der Studenten in der zweiten Introduktion, ein heroisches Kampflied mit einem wohlklingenden, effektvollen Marsch, ein maurisches Duett, ein herrlich komisches, der Opera buffa nahestehendes Quintett und auch einige burleske Nummer wie z. B. das Auftrittsduett des Alkalden mit dem englischen Statthalter oder dem sehr komischen Couplet der ehemaligen Balletttänzerin Olympia. Gerade die Vielzahl komischer Nummern in dieser Operette erwecken den Eindruck, als habe sich Suppè diesmal mehr als zuvor an der burlesken Komik Offenbachs orientiert. Eine der zeitgenössischen Kritiken formuliert dies so: „[...] er hat in dieser Operette mehr gewagt als sein Vorgänger Offenbach. [...] Keiner ist so sehr dazu berufen, für das heitere Singspiel an Stelle Offenbachs einzutreten, wie Suppè.“. Dass allerdings die Musik ”ganz auf der Höhe des Boccaccio” stünde, wie der Kritiker der Zeitung Die Presse schreibt, ist dann doch etwas der Ehre zu viel. Realistischer ist da schon, wie das Neuigkeits-Weltblatt vom 24.02.1880 die Operette beurteilt, [...] die, auch wenn sie weniger originell ist als als Fatinitza und Boccaccio, dennoch einen großen Erfolg errungen hat [...] zu welche(r) Suppé eine durchaus frische und melodische Musik geschrieben hat.“
u.a.
Siehe auch: Donna Juanita - die große Unbekannte und (Nicht viel) Neues über Donna Juanita
